MARTIN    LINHARDT

Rechtsanwalt   
95326 Kulmbach - Gumpersdorfer Weg 4

BGH: BARUNTERHALT BEI WECHSELMODELL

Im Fall des Wechselmodells haben grundsätzlich beide Elternteile für den Barunterhalt des Kindes einzustehen. Der Unterhaltsbedarf bemisst sich  nach dem beiderseitigen Einkommen der Eltern und umfasst außerdem die  infolge des Wechselmodells entstehenden Mehrkosten.
Der dem Kind von  einem Elternteil während dessen Betreuungszeiten im Wechselmodell  geleistete Naturalunterhalt führt nicht dazu, dass ein  Barunterhaltsanspruch nicht geltend gemacht werden kann. Der geleistete  Naturalunterhalt ist vielmehr nur als (teilweise) Erfüllung des  Unterhaltsanspruchs zu berücksichtigen.
Der Unterhaltsanspruch kann  in zulässiger Weise vom Kind gegen den besser verdienenden Elternteil  geltend gemacht werden. Er richtet sich auf den Ausgleich der  Unterhaltsspitze, die verbleibt, nachdem die von den Eltern erbrachten  Leistungen abgezogen wurden. Das macht ihn nicht zu einem familienrechtlichen Ausgleichsanspruch, der nur zwischen den Eltern besteht.
Das Kindergeld ist auch im Fall des Wechselmodells zur Hälfte auf den  Barbedarf des Kindes anzurechnen. Der auf die Betreuung entfallende  Anteil ist zwischen den Eltern zur Hälfte auszugleichen. Der Ausgleich  kann erfolgen, indem er mit dem Kindesunterhalt verrechnet wird.
Az XII ZB 565/15, Beschluss vom 11.1.2017